Kinder äußern im Schnitt 20–30 Bedürfnisse pro Stunde, vor allem im Kleinkindalter – das entspricht etwa alle 2–3 Minuten einem Impuls nach Nähe, Hilfe, Aufmerksamkeit oder Regulation. Diese hohe Frequenz erklärt, warum Eltern sich oft dauerhaft überreizt fühlen – selbst bei „ganz normalen“ Tagen. Und auch wenn wir diese Bedürfnisse und Wünsche prompt und auch bestmöglich erfüllen kann es vorkommen, dass sie noch mehr wollen. Das ist anstrengend. Es gibt hier aber 2 wichtige Aspekte – und einen davon hätte ich gerne früher gewusst!

Hat mein Kind denn nie genug? Ein Blick auf die Bindung
Kinder zeigen von Geburt auf natürliches und wichtiges Bindungsverhalten. Was viele als anhänglich oder „am Rockzipfel hängen“ beschreiben, ist ein natürliches Verhalten eines Kindes welches nach Bindung sucht.
Bindung entsteht nicht automatisch. Bindung ist wie ein unsicheres Band, welches sich nach und nach bildet und aufbaut zwischen dem Kind und einer Bezugsperson. Die Bezugspersonen können mehrere sein – die Eltern, Verwandte oder auch ausserfamiliäre Personen.
Wird auch ein Bedürfnis des Säuglings oder des Kindes prompt und feinfühlig reagiert, so lernt das Kind, dass es sich auf die Person verlassen kann. Es entsteht Bindung. Dieser dynamische Prozess entwickelt sich in den ersten 2-3 Jahren besonders intensiv.
Die Grundlage für eine sichere Bindung entsteht in den ersten 6-12 Monaten –
durch feinfühlige Reaktionen der Bezugsperson auf die Signale des Kindes (Nähe, Trost, Schutz).
Die eigentliche Bindung (im Sinne eines stabilen inneren Arbeitsmodells: „Ich bin geliebt und sicher“) festigt sich meist zwischen dem 12. und 24. Lebensmonat.
Vollständig entwickelt ist die erste Bindung in der Regel mit ca. 2–3 Jahren.
Der Bindungsprozess hört nie ganz auf – er verändert sich mit jedem Entwicklungsschritt und bleibt ein Leben lang formbar durch Erfahrungen.
Kinder zeigen Bindungsverhalten wie „am Rockzipfel hängen“ und äußern ständig Bedürfnisse, weil sie so Sicherheit und Nähe suchen – das sind ihre Grundbedürfnisse für Überleben und Entwicklung.
Bindungsverhalten ist ein evolutionärer Schutzmechanismus: Kleinkinder sind in den ersten Lebensjahren extrem abhängig von ihren Bezugspersonen. Nähe garantiert Schutz vor Gefahren und sorgt dafür, dass ihre Grundbedürfnisse erfüllt werden.
Durch Nähe und Reaktion auf ihre Signale lernt das Kind: „Ich bin sicher, ich werde gesehen und gehört.“ Das stärkt das Vertrauen und die Basis für eine sichere Bindung.
Wenn das Bedürfnis nach Nähe, Trost oder Orientierung nicht unmittelbar erfüllt wird, steigt die Angst, und das Kind erhöht seine Bindungssignale – z. B. „am Rockzipfel hängen“, weinen oder Forderungen stellen. Außerdem ist das ständige Äußern von Wünschen und Bedürfnissen Teil der emotionalen und sozialen Entwicklung – das Kind lernt, sich selbst auszudrücken, seine Umwelt zu erkunden und Beziehungen zu gestalten.
Kinder zeigen immer wieder Bindungsverhalten und äußern Bedürfnisse, weil sie durch ständige Nähe und Sicherheit ihr Grundvertrauen stärken wollen. Selbst wenn alle materiellen Wünsche erfüllt sind, brauchen sie die emotionale Verbindung und das spürbare „Da-Sein“ ihrer Bezugspersonen, um sich wirklich geborgen zu fühlen. Das macht klar: Es geht nicht nur um das „Erfüllen“, sondern um das fortwährende Fühlen von Sicherheit und Bindung.

Was, wenn dein Kind in einer anderen Sprache spricht?
Gary Chapman, ein Paartherapeut hat das Konzept der „5 Sprachen der Liebe“ entwickelt. Er hat herausgefunden, dass jeder Mensch eine andere Sprache der Liebe spricht. Also die Art und Weise, wie er Liebe gibt oder empfängt. Dieses Konzept kann man auch auf Kinder anwenden, wobei sie sich im Laufe der Entwicklung natürlich Verändern.
Dieses Wissen kann nicht nur eine Beziehung positiv verändern, sondern auch die Familie positiv beeinflussen. Es hilft, Missverständnisse zu vermeiden, Beziehungen zu stärken und dafür zu sorgen, dass sich jeder geliebt und gesehen fühlt.
Die 5 Sprachen der Liebe:
– Anerkennung und Lob
– Zweisamkeit
– Geschenke
– Hilfsbereitschaft
– Zärtlichkeit
Ein klassisches Beispiel: Du hilfst deinem Kind ständig – bereitest Snacks zu, räumst das Zimmer auf, organisierst den Alltag. Du meinst es gut, aber dein Kind beschwert sich: “Du hast nie Zeit für mich!” . Für dich ist Hilfsbereitschaft ein Ausdruck von Liebe. Für dein Kind zählt aber vielleicht vor allem ungeteilte Aufmerksamkeit und gemeinsame Zeit. Eure Sprachen gehen aneinander vorbei – und das frustriert beide Seiten.
Das Erkennen der Liebessprache deines Kindes ist ein wichtiger Schritt, um die Bindung zu stärken und sicherzustellen, dass dein Kind sich auf die Art und Weise geliebt fühlt, die für es am Bedeutungsvollsten ist. Es geht darum, die präferierte Liebessprache deines Kindes zu entdecken, damit du auf die richtige Weise seine Bedürfnisse nach Liebe und Anerkennung ansprechen kannst.
Also vielleicht empfängt dein Kind auf andere Weise Liebe, als dass du sie gibst. Du siehst, wahrscheinlich geht es nicht darum, dass du zu wenig gibst! Sondern, dass es einfach der falsche Kanal mit der falschen Intention ist. Und das passiert in den besten Familien.
Und wie kann ich das ändern?
Den ersten Schritt hast du schon getan! Du hast diesen Beitrag gelesen. Es gibt für diese Herausforderungen kein „Quick-Fix“ – aber ich kann dir erklären oder zeigen, wie du eure Sprache der Liebe herausfinden kannst oder dein Kind und seine Bedürfnisse besser deuten kannst. Ich habe einen kurzen und knackigen Guide erstellt:
Die 5 Sprachen der Liebe – wie du sie herausfinden und in der Familie leben kannst
Und wenn du es gerne noch tiefer willst oder du auf der Suche bist nach ganzheitlichen Erklärungen für kindliches Verhalten oder wie du damit umgehen kannst – freue ich mich sehr auf deine Geschichte!
Deine Jeannine

Ich freue mich auf den Austausch mit euch!